Bild: Suitcase


Boris Lurie | Suitcase | ca. 1964
Assemblage: Collage aus Öl und Papier auf einem Lederkoffer | 38 x 58 x 17 cm

© Boris Lurie Art Foundation, New York, USA

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»Arbeiten (…), wie die von Lurie, Goodman, Fisher und Tyler, treffen einen, als hätte jemand einen Felsbrocken durch das Fenster der Synagoge geschleudert. Krach! – Und hundert Empfindungen folgen im Leichenzug, Blasphemie, Gewalt, Hass, Erleichterung, Furcht, Ekel, Zorn.«

Aus der Einführung von Seymour Krim in die NO!show, Galerie Gertrude Stein, 1963

Boris Lurie erntete für seine Werke der Jahre 1963/64, in denen er die Shoah thematisierte, harsche Kritik. Ihm wurde vorgeworfen – nur zu verständlich – die Opfer des Holocaust zu verhöhnen, eine kalkulierte, billige Provokation für die schnelle Aufmerksamkeit, einzusetzen. Niemand kam auf die Idee, dass es sich bei den Mitgliedern der NO!art Bewegung teilweise selbst um Opfer handeln könnte. Der Koffer der Deportierten, der Entrechteten und Heimatlosen wird auf Luries wütende, alle ästhetischen Kriterien vollständig untergrabende Weise mit den rohen Graffitis der Straße übersät. Der Judenstern in leuchtendem Gelb erhält die Beine eines Pin-up-Girls, das NO! erscheint in vielfachen Variationen, Bilder der gerade befreiten KZ-Häftlinge stehen neben Schlagzeilen der Tageszeitungen. Über allem prangt deutlich lesbar das »ANTI-POP«, die deutliche Positionierung gegen die zunehmend an Einfluss gewinnende Pop-Art, die zum Lieblingskind einflussreicher Sammler und die großer Museen avancierte.
Es ist Luries Wut und seine moralische Erschütterung über vergangene und gegenwärtige Missstände, die sich in der rohen Formsprache spiegelt und mit ihren sarkastischen Bezügen viele Tendenzen der Achtziger Jahre vorwegnimmt.

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