Bild: Black susan


Boris Lurie | Black Susan | 1962
Öl und Papier auf Leinwand | 136 x 132 cm

© Boris Lurie Art Foundation, New York, USA

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»Schaut auf die Erde! Was seht ihr? Zählt die Toten! Wer zählt die Lebenden?«

Boris Lurie aus einem Statement zur Involvement-Show, 1961, New York

Es scheint heute erstaunlich, dass in der aktivsten Zeit der NO!art Gruppe kein Kritiker auf die Idee kam, diese Arbeiten Holocaust-Überlebenden zuzuschreiben. Der Rückschluss auf erlebte Traumata scheint heute greifbar, kann aber ebenso zu eindimensionalen Rückschlüssen über Boris Luries Werk führen. In der Zeit ihrer Entstehung wurden die Arbeiten jedoch eindeutig als blasphemisch, diskriminierend und schlichtweg unerträglich beurteilt. Die positiv eingestellten Kritiker sahen in den wild aufeinander einstürzenden Bildinformationen einen Spiegel der widersprüchlichen Moral im Amerika des Kalten Krieges. Luries flächendeckend überlagerte Leinwände mit Pin-up-Girls, die er streckenweise obsessiv sammelte und auswertete, sind Zeugen eines Befreiungsversuches von Obsession und Ohnmacht im doppelten Sinne. Indem er seine Kollektion ausgeschnittener Pin-ups, mit denen er die Wände seines Ateliers bepflastert hatte, in immer neuen Schichten von Farbe auf der Leinwand im bildlichen wie tatsächlichen Sinne »ertränkte«, schuf er sich zugleich mit dem mentalen Freiraum einen neuen künstlerischen Weg, der ihn von der Notwendigkeit einer abbildenden Malerei befreite. Die verbreiteten Erotikfotos aus Magazinen wurden Mitte der Fünfziger Jahre auch von den späteren Pop-Art-Apologeten Rauschenberg und Johns erstmalig verwendet. Als zeitimmanentes Phänomen wurden sie Teil des Bilderkanons zeitgenössischer Kunst.

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